Montag, 8. August 2011

Nachtrag Zahnarzt

Gestern hatte ich mal wieder unter Verständigungsproblemen zu leiden. Leiden ist im wörtlichen Sinn gemeint, wenngleich es nicht schlimm war. Der Zahnarzt hatte mich ja für Sonntag um 11 Uhr in den vollen Terminkalender eingeschoben. Zu einer kurzen Nachschau wegen der Zahnfleischentzündung, wie ich dachte. Zuvor war ich noch schwimmen, diesmal mit Musikuntermalung, da die Anlage aufgebaut war für die Aktivität am Nachmittag, eine Art Kinderbasteln zum Muttertag. Dieser ist am 12.August, dem Geburtstag der Königin. Vor dem Eingang zum Muban ist ein großes Bild von ihr aufgestellt und am Abend dieses Tages werden die Bewohner der Siedlung am See genau wie an vielen öffentlichen Plätzen wieder die Hymnen singen und mit Kerzen in den Händen die Mutter des Landes hochleben lassen.

Dass wir eineinhalb Stunden warten mussten, wunderte mich, zumal ja der junge Arzt bereits im Wartezimmer mir kurz in den Mund geschaut hatte. Andere Erstpatienten wurden auf den Nachmittag vertröstet. Der mürrische Zerberus am Empfang, wohl die Altärztin und Chefin, meinte derweil, ich käme gleich dran. Als ich dann schließlich vor meiner Ärztin auf dem Stuhl lag, wurde kurz meine Gattin dazu gerufen, um mir auszurichten, dass nochmals Zahnstein entfernt werden müsse. Keine Spritze, nur "etwas Einschmieren", übersetzte sie mir. Ein weiterer Dolmetscherfehler. Denn schon wurde die Spritze angesetzt und mindestens viermal eingestochen. Gespürt habe davon allerdings nichts und sehen konnte ich wegen des Tuches auf meinem Gesicht nur das, was sich vor der Nasenspitze abspielte. Da wurde dann weiter kräftig geschabt und gekratzt, Tupfer eingespannt und leicht blutig wieder entfernt, Beläge an die Assistentin weitergereicht und schließlich zwei große Spritzen Spülflüssigkeit reingedrückt. Ich fühlte mich überrumpelt und hilflos. Die Behandlung war einfach beim letzten Termin nicht fertig durchgeführt worden, da meine liebe Gattin ja angegeben hatte, wir wären unter Zeitdruck, damit bei ihr die Zähne nicht gezogen werden konnten. Dass die Ärztin die Reinigung später fortsetzten wollte, hatte mir meine Frau nicht gesagt, und "später" beim Zahnarzt bedeutet bei ihr den Sankt Nimmerleinstag.

Als ich dann etwas betäubt aufgestanden war und an der Rezeption erschien und Dr.Pupa, nun wieder ohne Plastik-Gesichtsschild und nur mit Haarnetz, mein ernstes Gesicht sah, fragte sie besorgt, ob sie mir Schmerzen bereitet hätte. Das sicher nicht. Aber mir war nicht nach Lächeln zumute, zumal ein Teil der dafür zuständigen Muskeln gelähmt war. Der Zerberus und sie gaben mir wieder einen Beutel mit 15 losen Amoxy 500 und betonten, wie wichtig es sei, dass ich sie alle nähme. Am besten zweimal täglich zwei Kapseln, dann wirkten sie schneller. Ich hatte ja noch welche vom letzten Mal, aber meine Gattin flüsterte mir zu, ich solle sie nehmen, sie könnte sie ja auch gebrauchen. Und das Zähne putzen nach jedem Essen würde die Zahnsteinbildung verhindern, sagten sie. Auf dem Rechnungsvordruck war "root planing" angekreuzt, also Wurzelpolieren, und zu zahlen hatte ich den Einheitspreis von 400 Baht. Beim Verabschieden hob die Ärztin die Hände zuerst zum Wai und ich erwiderte die ungewöhnliche Geste gern und mit einem versuchten Lächeln. Ich liebe das weibliche Gesundheitspersonal dieses Landes.

Wie geplant fuhren wir anschließend mit dem Taxi zum Busbahnhof am Flugplatz und von dort mit dem Bus zum Einkaufszentrum Future Park. Unterhaltung kam für mich nicht in Betracht, einmal wegen der Betäubung der Mundpartie, die sich bisweilen über die Nase zur Stirn und hinab zum Herzen bemerkbar machte, und zudem weil ich ein wenig angesäuert war. Ist nicht Übersäuerung des Körpers ein Nährboden für Tumore? Jedenfalls war nach der 80 minütigen, schweigenden Fahrt die Welt und mein Mundwerk wieder in Ordnung. Wir speisten im Fuji, kauften etwas ein und fuhren dann zum großen IT-Kaufhaus ZEER, wo ich letzte Woche ein neues Notebook gekauft hatte, das ich nun aufrüsten ließ. Beim alten war die Grafikkarte nicht mehr zu ersetzen, aber meine Daten bis auf die Lesezeichen des Firefox konnten gerettet werden.

So erwies sich mal wieder wie so oft in meinem Leben, dass was zuerst als negativ, bedrohlich und unannehmbar erschien, sich zuletzt doch als positiv und notwendig herausstellte. Heute habe ich keine Beschwerden mehr im Mund. Aber 2,3 Vorsätze habe ich gefasst: öfters die Zähne zu putzen und früher zum Zahnarzt zu gehen und mir endlich mal die thailändische Schrift beizubringen, um leichter die Sprache zu erlernen.

Freitag, 5. August 2011

Beim Zahnarzt

Viele Jahre ertrug meine Gattin ihre Schmerzen, weil sie Angst vor dem Zahnarzt hatte. Zuletzt halfen auch die Tabletten nicht mehr. Vor allem abends, wenn sie kalten Hopfentee zu sich nahm, setzten die Schmerzen ein. Vor zehn Tagen nun hat sie ihre Ansgt überwunden und sich den Backenzahn ziehen lassen. Und sie hat davon nach zwei Spritzen gar nichts gespürt. Ein Stück schlechte Laune wurde dabei anscheinend auch entfernt. Für letzten Montag hatten wir für uns beide einen weiteren Termin vereinbart.

Die Praxis ist ein kleiner, neu eingerichteter Familienbetrieb, wie meine Gattin meint. Sie befindet sich nicht weit von unserer Siedlung entfernt an der Hauptstrasse. Wie üblich muss man die Schuhe vor dem Eingang ausziehen und kann in Plastikschlappen schlüpfen. Hinter dem Warte- und Empfangsraum stehen drei Behandlungsstühle, durch Vorhänge getrennt. Alles ist neu und sauber. Uns behandelte die Frau Doktor, eine junge, zierliche Person mit einem breiten Lächeln. Ihre zarten Hände füllen die Latexhandschuhe nicht aus. „Dr. Pupa“ ist auf ihrem weissen Kittel aufgestickt, wobei die Betonung auf dem langen „a“ liegt.

Wir hatten uns zuvor nach den Preisen erkundig: 400 Baht sowohl für das Ziehen wie für die Zahnsteinentfernung, die ich an diesem Termin vornehmen liess. Dafür musste nicht wie letztes mal bei meiner Frau der Blutdruck gemessen werden. Aber wie erwartet musste ich die Brille ablegen und mir wurde die Sicht genommen durch das übergeworfene, grüne Tuch, das nur das Operationsfeld freiließ. Die Behandlung selbst sowie das Absaugen durch die Assistentin waren in keinster Weise unangenehm. Und weil Arbeit in diesem Land auch Spaß machen muß, blieb ihnen genug Zeit für Lachen und Unterhaltung. Meiner Gattin sollten zwei wacklige Zähne gezogen werden, allerdings drückte sich wieder. Sie habe keine Zeit, war die durchschaubare Ausrede. Zuvor habe ich vergeblich versucht, sie davon zu überzeugen, dass sie sich die Zähne gar nicht ziehen lassen muß, wenn sie anfängt, MMS-Tropfen zur Zahnpflege zu benützen. Aber sie will vom dem indischen Zeug, wie sie sagt nichts wissen. Indisch nur nach dem Absender des MMS-Sets, das ich mir hatte schicken lassen.

Dabei könnte ich nun selbst die Tropfen im Mund anwenden. Denn heute mußte ich wieder zum Zahnarzt. Wir waren gestern mit Freunden beim Essen. Unter anderem gab es gebratenen Fisch mit fritierten Blättern des Zitronenstrauches und Fasern von Zitronengras. Eine harte Faser ist mir wohl zwischen Zahn und Zahnfleisch geraten, denn kurze Zeit später war die Stelle schmerzhaft. Nachts um drei nahm ich schließlich eine Tablette. Die Praxis ist gut besucht, aber wir erhielten einen Termin kurz vor Mittag, zwei Stunden nach unserem Anruf. In Abwesenheit der Ärztin behandelte mich der junge Arzt. Mit seinem Instrument untersuchte er das Zahnfleisch, konnte aber außér reichlich Eiter keinen Fremdkörper finden. Ich bekam zwei kleine Tüten mit losen, bunten Pillen, Antibiotika und Schmerztabletten, und eine Flasche antiseptischer Mundspülung und zahlte für alles 100 Baht, ca. 2,40 Euro. Am Sonntag soll ich wieder vorbeikommen.

Nach einer Brokkolicremesuppe nahm ich die Tabletten und holte meinen Schlaf nach. Als ich drei Stunden später zum Schwimmen ging, hatte ich meine Beschwerden schon vergessen. Im nächsen Post muss ich endlich auf meine Anwendung der MMS-Tropfen eingehen.

Dienstag, 12. Juli 2011

Ich hatte da ein bisschen Krebs

Noch einmal zur Augengeschichte:

Entspannt reisten wir am Sonntagmorgen an, tranken an der Silom einen Cappuccino und holten dann aus der Radiologie im 4.Stock den Bericht und die Bilder der Ultraschalluntersuchung ab. An beiden Seiten des Halses sowie an der Schilddrüse sind keine Abnormitäten feststellbar, stand da. Wir erhielten allerdings einen Riesenumschlag, obwohl ich am Mittwoch wie verlangt den kleinen mit den Ergebnissen der letzten Untersuchung des Oberbauches mitgebracht hatte, und wir mussten den ganzen Tag diesen großen Umschlag mit uns herumtragen.

Im 11.Stock wurde nach kurzer Wartezeit mein Name aufgerufen und ich durchlief wieder die Eingangstests. Diesmal führte den Innendrucktest allerdings Khun Danokwan durch, die nette Schwester, bei der wir uns letztes Mal mit einer Schachtel Ferrero Roger bedankt hatten. Sie begrüßte mich freundlich und meinte, sie habe mich jetzt eine Weile nicht gesehen. Sie machte den Test mit den Luftstößen professionell und ich hatte normale Werte.

Ich freue mich immer, Dr.Usanee zu sehen. Diesmal besonders, weil ich ihr auf ihre Eingangsfrage nach meinem Befinden wahrheitsgemäß antworten konnte, dass ich mich großartig fühle, ich das Leben genieße und keine Angst vor dem Krebs mehr habe. Sie gab mir einen kräftigen Händedruck. Den ihr vorliegenden Bericht wollte sie mir kopieren lassen, aber ich hatte ihn ja bereits. Sie kommentierte ihn nicht und das Thema Melanom wurde weder von ihr noch von mir erwähnt. Es ging nur um das Auge, um dessen Heilungsfortschritt. Zunächst prüfte sie das rechte. Vom linken machte sie Fotos, die sie mir auf dem Bildschirm zeigte. Die Restwunde sah hier besser aus als im Spiegel. Sie ließ mir von der Schwester einen Tropfen ins Auge geben und machte eine Aufnahme in Grün. Auf Nachfrage erklärte sie, dass sie hierbei die Konsistenz der Oberfläche prüfen könne. Es sei keine Wiederkehr eines Tumors zu erkennen. Wir vereinbarten einen Kontrolltermin in drei Monaten. Aber ich könne ihr auch mailen, wenn ich den Termin nicht einhalten könne oder sonst etwas am Auge sei. Als ich angab, dass die alten künstlichen Tränen ein Brennen verursachten, verschrieb sie mir andere, die ich nun auch gut vertrage. Sie fragte, wo meine Frau sei. Diese hatte es vorgezogen, sich im großen Wartesaal mit ihrer Illustrierten zu beschäftigen. Dr.Usanee trug mir Grüße an sie auf. Ich sagte, dass meine Gattin nicht bereit sei, über das Thema Krebs mit mir zu reden. "Tell her, everything is ok!", war ihre Antwort. Ich solle weiter das Leben genießen.

Ich musste eine Stunde warten, um zu Dr.Wasee gerufen zu werden und war in wenigen Minuten wieder draußen. Vielleicht brauchte ich deshalb nur einmal das Arzthonorar von 300 Baht (ca. 7.14 Euro) zu bezahlen. Dr.Wasee prüfte beide Augen an der Spaltlampe und war sehr zufrieden mit dem schnellen Heilungsfortschritt. Da muss ich wohl noch an meiner Geduld arbeiten. Die Äderchen, die mir am rechten Auge auffallen, seien normal. Ich gab den Eindruck wieder, dass es besser ist, das Auge in Ruhe zu lassen. Die neuen Tränen bräuchte ich nur alle vier Stunden nehmen. Sie sah im Kalender nach, an welchem Sonntag im Oktober sie anwesend sein wird. So werde ich diese liebe Ärztin auch wieder sehen.

Draußen erhielt ich noch den Zettel mit dem Termin. Zu zahlen hatte ich für alles 585 Baht (ca. 14 Euro), incl. 165 Baht für die neuen Tropfen. Es ist bewundernswert wie bei den vielen Patienten der ganze Ablauf ohne viel Durcheinander und große Verzögerung gestaltet wird. Einige Mitarbeiter sind nur damit beschäftigt, Zettel und Akten hin und her zu tragen. Wartezeiten sind allerdings hin zu nehmen.

Wir aßen wieder im Fuji zu Mittag und fuhren anschließend mit der U-bahn zum Hauptbahnhof, wo wir den Bus nach Bangkhae zur Familie des Schwagers nahmen. Die einstündige Fahrt für 7 Baht geht durch Chinatown über den Chao Phraya nach Thonburi. Am Grabmal der Mutter brachten wir wie gewohnt Räucherstäbchen und Blumen dar. Der Suan Luang 2, den wir danach besuchten, ist um eine weitere, riesige Marktfläche vergrößert worden und es herrschte großes Gedränge. Meine Gattin kaufte sich einen Kaktus ihrer Lieblingssorte und ich bekam Durst auf eine Dose Bier, das ich aus einem mit Eis gefüllten Plastikbecher durch den Strohhalm trank. Auf der Rückfahrt begann es zu schütten, doch wir blieben trocken, da wir solange im Big C einkaufen gingen. Gestalten der Nacht waren bereits auf den Gehsteigen in der großen Stadt zu sehen, als wir mit dem Bus zurück zum Bahnhof fuhren, wo wir noch in einem Nudelrestaurant Halt machten.

Die ganze Aufregung um den Krebs ist dem Bericht eines Pathologen zu verdanken, der Ende Mai den zwei Tage zuvor herausgeschnittenen Pickel unter dem Mikroskop untersuchte und den Verdacht auf dieses sehr seltene, aber todbringende, bösartige Melanom der Bindehaut äußerte. Der 1 mm breite Rand sei zwar frei, aber Tumorzellen befänden sich am Boden der Probe. Das Ergebnis bestätigte er dann selbst noch mal und die teure immunhistologische Einfärbung konnte bei ihm dann auch kein anderes Resultat bringen. Er beschreibt dabei pleomorphe Zellen, das dem entspricht, was alternative Krebsforscher mit für die Ursache oder Anzeichen von Krebs halten, also die Eigenschaft, bzw. Fähigkeit von Zellen oder Mikroorganismen, ein unterschiedliches Erscheinungsbild anzunehmen. So können Parasiten, Protozoen, Endobionten, polymorphe Trichomonaden oder wie sie es auch nennen als Bakterien, Viren oder Pilze auftreten. Krebs ist demnach eigentlich in jedem Menschen schlummernd vorhanden. Diese Parasiten können lange Zeit unauffällig in Symbiose leben, aber in übersäuertem oder radioaktiven Milieu entarten sie und vermehren sich dann unkontrolliert, besonders bei schwachem Immunsystem. Das Terrain entscheidet, ob und wie sie sich vermehren.

Es gibt viele alternative Heilmethoden für Krebs. MMS ist ein kostengünstiges und absolut effektives Mittel. Über MMS, wie ich es anwende und wie es wirkt, werde ich in einem gesonderten Eintrag schreiben. Es ist ein wahres Wundermittel. Es zerstört alle Bakterien,Viren, Pilze und Schwermetalle ohne dem Körper zu schaden. Ich bin sicher, dass es in mir wirkt und ich keine Krebszellen mehr habe.

Auf der anderen Seite gilt es, das Immunsystem wieder aufzubauen. Franz von Assisi nannte seinen Körper "Bruder Hinterteil". Ich habe meinem noch keinen Namen gegeben, aber wir haben nun ein sehr freundschaftliches Verhältnis. Ich versuche auf ihn zu hören. Wenn er meint, er habe genug, dann schiebe ich den Teller weg. Wenn er meint, ausgeschlafen zu haben, dann stehe ich auf oder drehe mich höchstens noch fünf Minuten um. Wir freuen uns, täglich das Wasser im Pool zu durchschwimmen, uns zu bewegen, die Lungen mit frischer Luft zu füllen. Ein Hungergefühl macht uns nichts aus. Auf Kuchen, Eis und Knabberzeug verzichte ich. Was ich esse, segne ich oder ich bitte um Gottes Segen. Mein Blutdruck ist runter und ich habe 5 oder 6 Kilo abgenommen. Ich fühle mich rundum gesund und wohl.

Dadurch dass ich bewusst und freudig in und mit meinem Körper bin, kehre ich auch immer wieder in den gegenwärtigen Augenblick zurück. Und bin somit dem Göttlichen nahe.

Samstag, 9. Juli 2011

Der Wesenskern

Wenn jemand einen Blog betreibt mit dem Thema Erleuchtung, wird er sicher nicht eines Tages schreiben : „Gestern habe ich die Erleuchtung erlangt. Ihr könnt Buddha zu mir sagen.“. Er wird sich in diesem Fall wohl eine Weile Zeit nehmen, um seine Erfahrung zu vertiefen und an das Leben anzupassen. Vielleicht wird sein unbedeutender Bog nicht mehr sein Podium sein. Nun, ich spreche nicht über meine Erleuchtung, aber ich wollte warten, um das zu prüfen und die richtigen Worte dafür zu finden, was ich glaube, der Welt verkünden zu können. Allerdings hätte ich das schon vor Monaten tun sollen. Es hat wohl der Sache mit dem Auge bedurft, um mir zu zeigen, dass des faulen Mannes Weg zur Erleuchtung nicht funktioniert.

Es ist ein einfacher Gedanke, eigentlich nicht neu und doch potentiell weltbewegend. Keine Lehre und doch passt er auf viele Lehren und Wege und hilft aus manchen Sackgassen heraus und er kann die Welt erklären.

Als Jugendlicher flehte ich: „Gott, ich will Dich sehen!“ Ich stellte Thesen auf: „Wenn Gott nicht in dieser Pfütze sein kann, dann ist er nicht Gott.“ „Es kann nicht das Unvollkommene geben, denn wenn das Vollkommene nicht auch das Unvollkommene sein kann, dann ist es nicht vollkommen.“ Mir wurde bewusst, dass wir im Innersten eins mit dem Göttlichen sein müssen. Ausgedrückt fand ich es in: Atman gleich Brahman. Dieser Satz zog mich nach Indien, ließ mich Haus und Hof verlassen und Buddha gleich auf die Suche gehen.

Heute hören wir oft: „Wir sind göttlich. Wir sind Söhne und Töchter Gottes. Wir sind Gott.“ Und es ist wahr, es ist erfahrbar wahr. Nur ist es für den Suchenden ein langer Weg, voll von falschen Verheißungen und Enttäuschungen. Wie sollen die beiden Enden zusammen gebracht werden? Zu viele Lehren und Richtungen, zu viele menschliche Schwächen stehen da dazwischen. Dabei ist das ganze Universum daraufhin ausgerichtet. Man könnte sagen, dass es auf der Erde wie im Universum darum geht, dass jedes Lebewesen seine Bestimmung finden und leben kann und dabei glücklich ist. Diese Glückseligkeit wird der Mensch nur finden, wenn er seinem natürlichen Bedürfnis der Suche nach dem Vollkommenen nachgeht und dieses findet oder sich darin wieder findet. Die Suche gestaltet sich meist schwierig und kann in Sucht oder Resignation stecken bleiben. Das geschieht, wenn man lediglich die beiden Pole sieht, den Menschen und Gott, und als Mensch versucht, innerhalb seiner Vorstellung mit Gott gleich zu ziehen. Doch der Mensch ist mehr als nur Körper und Verstand.

Der Mensch hat eine Seele, noch besser: der Mensch ist Seele. Körper und Seele sollten aber nicht getrennt werden. Man darf nicht versuchen, diesem Leben zu entrinnen, um die in einer anderen Existenz oder in einem Erleuchtungszustand wartende Glückseligkeit zu genießen. Aber dennoch können wir uns als Seele, als Geist erfahren. Ja, wir können bis auf den Seelengrund gelangen, wie Meister Eckhart lehrte, und dort in das Göttliche eintauchen. Dies ist unser innerstes Wesen, unsere Anbindung an Gott. Manche nennen es Gottesfunken oder Christuslicht. Im Urantia-Buch wird erklärt, dass jedes Menschenkind bei seiner ersten Entscheidung für das Gute einen Gedanken-Justierer bekommt. Ich mag diesen aus dem Englischen übernommenen Begriff nicht besonders, aber es beschreibt das, was ist und geschieht. Dieser (ich nenne es:) Wesenskern ist bestrebt sich mit unserem Bewusstsein, unserer Persönlichkeit zu vereinen. Er ist in allem Gott-gleich, nur dass er erst Persönlichkeit erhält in der Vereinigung mit dem Wesen, dem er innewohnt. In ihm sind wir mit Gott und mit allem Leben und mit der ganzen Schöpfung verbunden. Der Wesenskern respektiert unseren freien Willen. Und doch hört er nicht auf, mit Liebe und Geduld uns zur Freiheit zu führen.

Diese Vorstellung eines innewohnenden göttlichen Wesenskerns passt wie eine Schablone auf fast alle religiösen Erfahrungen und Bekenntnisse. Es bleibt nichts anderes zu tun, als diesem Wesenskern in uns Raum zu geben. Es kann also gesagt werden, dass wir göttlich sind, dass wir bereits erleuchtet sind, es nichts zu erreichen gibt, weil es bereits da ist. In diesem Sinne ist Gotteserkenntnis Selbsterkenntnis. Wenn wir uns Gott im Gebet zuwenden, tun wir dies in, durch und für unseren Wesenskern. Im Wesenskern erfahren wir die unendliche Liebe Gottes und können nicht anders, als diese Liebe zu erwidern. In dieser Liebe ist noch eine besondere Kraft: die Liebe und Führung durch Jesus, die ganz dem Menschen zugewandte Seite Gottes. Dies wahrzunehmen ist eine Sache der Erfahrung, nicht nur des Glaubens. Es gehören aber noch einige Voraussetzungen dazu, den Wesenskern, dieses Reich Gottes, das Jesus lehrte, zu erreichen. In weiteren Posts werde darüber schreiben. Vorausgeschickt sei, dass es keinesfalls um eine Lehre geht. Die Wahrheit ist immer etwas Lebendiges, das sich nicht in Formeln oder Credos oder in intellektuelle Leitbilder einsperren lässt.

Donnerstag, 7. Juli 2011

Heilwerden

Das Auge beschäftigt mich zwar weiter jeden Tag, schon weil ich tropfen muss und den Heilungsprozess mit Ungeduld verfolge, und die erschreckende Diagnose und deren Konsequenzen sind zu einem Wendepunkt in meinem Leben geworden, aber vielleicht wird sich die ganze Aufregung bald in eine Erinnerung verwandeln.

Der Arzt, der gestern die Ultraschalluntersuchung der Halslymphknoten vornahm, war ziemlich im Stress und nicht besonders freundlich. Mit mir warteten noch einige Patienten, deren vereinbarter Termin lange überschritten war, und als die ältere Schwester mich vor ihnen herein bat, musste sie laut erklären, dass bei mir ein anderer Fall vorlag. Sie konnte meinen Namen nicht aussprechen und deutete nur fragend auf die Papiere. In der gleichen Kabine wie beim letzten Mal wurde ich von einer weiteren Schwester vorbereitet. Sie positionierte mich auf der Liege und legte ein gerolltes Handtuch unter meine Schultern, sodass mein Kopf nach hinten gestreckt wurde. Bis der Doktor kam, schob sie mir aber ein Kissen unter. "What is wrong with you?", fragte er. Was ich ihm erklärte, konnte er auch aus den Akten und dem Computer ersehen. Die Bemerkung, die er in Thai zur Schwester machte, verstand ich in der Weise, dass er meiner Ärztin Überreaktion vor hielt. Während er mit dem Prüfkopf an meinem Hals herum fuhr, fragte er, ob ich selbst Knoten oder Schmerzen verspürt hätte, was ja nicht der Fall ist. Ich war überrascht, als er nach kurzer Zeit die Untersuchung beendete und im Rausgehen über die Schulter sagte: "Nothing abnormal."

Die Schwester erklärte mir in Thai, dass der Bericht erst morgen erstellt würde, aber da ich nicht alles verstand, beauftragte sie einen Helfer, es meiner Frau zu vermitteln, die draußen im Wartesaal saß. Wir können also den Report und die Aufnahmen abholen bevor wir am Sonntag zur Augensprechstunde gehen. Ich denke, dass dies dann der letzte Termin vor einer Kontrolluntersuchung in einigen Monaten sein wird.

Mein Augenmerk ist nun weniger auf möglicherweise vorhandene Tumore und Metastasen gerichtet, sondern ich bin bestrebt, den Körper wieder in die Lage zu versetzen, mit allem Schädlichen selbst fertig zu werden. Mancher rät zu einer Nachoperation und der Chemotherapie mit Mitomycin. Aber Rausschneiden und Verbrennen heilt den Krebs nicht. Ich bin zu der Auffassung gelangt, dass die Schulmedizin die Ursachen von Krebs nicht kennt und nicht willens und nicht in der Lage ist, ihn zu heilen. Es gibt Hunderte alternative Methoden. Meine Entscheidung ist schon lange für MMS gefallen und ich habe mit dem Standardprotokoll angefangen. Der Chlorgeruch macht mir noch nichts aus und ich freue mich, dass mein Körper die Bakterien, Viren, Pilze und Metalle durch die Oxydation zerstören und hinaus befördern kann. Problematisch könnte nur der wässrige Stuhlgang werden, wenn wir unterwegs sind. Aber ich will hier nicht näher auf MMS und alternative Krebstherapien eingehen. Jeder Betroffene kann sich selbst im Netz informieren. Keine Medizin, auch MMS nicht, kann heilen, nur der Körper selbst. Mutter Natur weiß am Besten, was gut ist. Es geht um Heilwerden und -bleiben, um Reinsein.

Eine Erkenntnis aus der Tumorsache ist, dass Geist und Körper zusammen gehören. Bei Buddha war es die Askese, bei mir eher Vernachlässigung, was der weiteren Entwicklung im Wege stand. Aber bald werde ich wieder Texte einstellen, die zum Blogthema besser passen.

Montag, 20. Juni 2011

Zurück

So, das war´s. Ich habe mein Leben wieder. Und das neue ist schöner als das alte. Nicht dass die Tests ergeben hätten, es ist gar kein malignes Melanom. Ganz im Gegenteil. Aber lasst mich der Reihe nach berichten.

Die Erregung in der Nacht und vor der Sprechstunde hielt sich in Grenzen. Ich fühlte Gottes Nähe und Hilfe. Der Impuls auf der Fahrt und in der Klinik war: es geht nicht um den Körper. Später wurde mir auch bewusst, wie widersinnig es ist, an die Transformation der Erde und ihren Aufstieg in eine höhere Dimension zu glauben und sich dabei Sorgen um den materiellen Körper zu machen.

Es waren etwa 60 Personen im inneren Wartebereich, die Hälfte wohl Begleitpersonen, aber wir hatten den Eindruck, dass wir vorgezogen wurden. Wenn ich auch der einzige Ausländer war, so fühlte ich mich stets in gleicher Weise behandelt wie jeder andere Patient auch. Man ist dennoch etwas wie ein bunter Hund und das Personal tut sich nicht einfach, den Namen zu nennen oder sich in Englisch auszudrücken. Die unvermeidlichen Tests zu Beginn dienen in erster Linie als Einnahmequelle. Obwohl ich mich bemühte, still zu halten und nicht zu zucken, als die Luftstöße auftrafen, lagen die Augendruckwerte bei 26 bis 30 mmHg. Dr.Usanee maß dann selbst mit ihrem Tonometer nach und der Wert ergab gute 18. Wir waren nach kurzer Wartezeit zu ihr gerufen worden, wenngleich wir zuerst vor Dr.Wasee´s Zimmer warten sollten.

Dr.Usanee fragte viermal: How are you today?, aber mehr als: It´s okay! bekam sie nicht zur Antwort. Sie überreichte uns gleich eine CD mit den Fotos aus der Pathologie und die „offiziellen“ Befunde aus der Histologie und der Immunhistochemie. Ich hatte ihr zwei Tage nach der Kryo eine harsche Email geschrieben, in der ich verlangte, dass bei einer solchen Diagnose Arzt und Patient auf dem selben Informationsstand sein müssen. Bis jetzt hätte ich keinen schlüssigen Beweis. Diesen mit englischen Fachwörtern gespickte Befund hätte jeder Student aus dem Lehrbuch abschreiben können und jeder Lehrer würde ihn bestätigen, um ihn nicht zu blamieren. Was mir fehlt, sind die Aufnahmen unter dem Mikroskop, die dann auch ein anderer Pathologe begutachten kann. Ich zahlte für das Röntgen, schrieb ich, und bekam ein großes Bild, ich bezahlte für die Ultraschall und bekam einige Aufnahmen, ich bezahlte für die histologische Untersuchung und erhielt einen lausigen Befund. Ich bezahlte 2040 Baht für die Einfärbung und erwarte nun aussagefähige Bilder, denn für 100 Baht könne jeder schreiben, die Reaktionen wären positiv oder negativ. Schon der gesunde Menschenverstand hätte da Zweifel. Ich appellierte auch an den Ruf der Klinik.

Dr.Usanee kommentierte die übergebenen Berichte nicht weiter. Sie erschien überhaupt zurückhaltender und sprach fast mehr in Thai als in Englisch. Sie fuhr wie erwartet in ihrem Programm fort. Eine Biopsie von Lymphknoten sei zu diesem Zeitpunkt zu risikoreich, sie möchte jedoch einen Termin für eine Ultraschalluntersuchung derselben im Halsbereich machen. Ich sprach mich dagegen aus. Sollte sich dabei eine Auffälligkeit finden, ginge die Sache weiter, und wenn man nichts findet, wird man sagen, es kann noch was kommen. Ihre Antwort war etwas diffus: wenn man jetzt die Untersuchung nicht mache, habe man keinen Vergleichspunkt, wenn man später etwas feststellt. Sie würde auch nur die Empfehlung dazu geben. Meine Frau und ich sprachen uns kurz ab und stimmten dann schließlich dieser als der letzten Maßnahme zu. Gegen einen Kontrolltermin in vier Wochen hatten wir sowieso nichts einzuwenden. Dr.Usanee hatte sich das Auge angesehen und eine „inflammation“ festgestellt, eine Reaktion wie bei einer Entzündung. Sie empfahl, die künstlichen Tränen weiterhin alle zwei Stunden zu nehmen und würde evtl. andere Augentropfen verschreiben. Aber das und die Überweisung zur Ultraschall überließ sie ihrer Kollegin. Ich bat sie noch, das rechte Auge zu überprüfen, doch hier war alles normal, auch die Äderchen, die mir aufgefallen waren.

Sonst war sie gewohnt entgegenkommend. Sie wollte keine leere CD von mir nehmen und auch die 40 Baht nicht haben, die sie zuvor für die Einfärbung selbst drauf gezahlt hatte. Meine Gattin war davon ausgegangen, dass eine Schwester dies getan hatte, und hielt einen Umschlag bereit. Zudem hatte sie für alle drei Frauen Ferrero Rocher in Plastikboxen gekauft. Ihre selbst verpackten Geschenke wurden gerne angenommen.

Während wir vor Dr.Wasee´s Sprechzimmer warteten, sah ich mir die Berichte an. Sie waren wie der erste pathologische Befund von dem selben Pathologen erstellt. Die Resultate der immunhistochemischen Untersuchung beschrieb er einfach: S-100: positiv, HMB-45: positiv, Melan A: positiv. Keine Nennung von Zelltypen, keine Klassifizierung oder Abgrenzung zu anderen Tumoren. Unter den Bericht setzte er die selbe Diagnose wie beim ersten Mal. Nur schrieb er statt: Tumor, Verdacht auf malignes Melanom, einfach: malignant melanoma. Diesen Befund übernahm er als Anhang in den „offiziellen“ pathologischen Report, mit der wortgleichen Diagnose. Inzwischen versetzt mich aber das Wort „malignant melanoma“ in ebenso großen oder keinen Schrecken wie das Wort „Kaninchenfell“. Wenigstens habe ich die bildlichen Darstellungen der Zellen auf CD und ich werde sie von einem anderen Pathologen begutachten lassen.

Dr.Wasee fragte in ihrer leisen Art nach dem Befinden und nach Beschwerden und meinte nach der Ansicht des Auges, es sei noch gerötet und gereizt. Ich solle die bisherigen Augentropfen nur noch morgens und abends nehmen. Vielleicht lag da eine der harmloseren Nebenwirkungen vor, die im deutschen Online-Beipackzettel standen: verzögerte Wundheilung. Sie verschrieb aber gleich neue, damit wir nicht extra reinkommen mussten. Ihre geringe Honorarforderung bei der Kryo wurde von keiner Seite erwähnt. Es kann sein, dass beide Ärztinnen einsehen, dass die Befunde und die Diagnose auf wackligen Beinen stehen, und wollen keine Regressforderungen provozieren. Vielleicht wurde mir auch deshalb der Befund nicht gleich bei der Kryo mitgegeben.

Eine Schwester wurde beauftragt, sich um die Überweisung zur Ultraschall zu kümmern. Aber dazu mussten wir eh selbst in den 4.Stock. Dr.Wasee schrieb jedoch den Namen einer kompetenten HNO-Ärztin auf einen Zettel. In vier Wochen wird sie selbst nicht anwesend sein. Deshalb eilte sie davon, um ihre Kollegin zu fragen, ob ein Termin in drei Wochen recht sei. So werden wir die Beiden am 10.Juli wieder sehen. Auf dem 4.Stock konnten wir später erst einen Termin in der Woche nach den Parlamentswahlen am 3.Juli bekommen. Wir entschieden uns für späten Nachmittag des 6.Juli. Hoffentlich bleibt es nach diesen entscheidenden Wahlen ruhig im Land!

Zu zahlen hatten wir neben den üblichen 120 Baht zweimal 300 als Arzthonorare und 70 (1,60 Euro) für die Augentropfen, zusammen also ca.18 Euro. Wir speisten natürlich im nahen Fuji. Ich bestelle nun immer das Kindermenü. Es schmeckt mir und es reicht mir. Danach fuhren wir wie geplant mit der U-Bahn zum Hauptbahnhof und von dort mit dem Bus Nummer 7 für 7 Baht zur Endstation, wo Schwager und Schwägerin wohnen. Einmal im Monat möchte meine Gattin hier das Grab ihrer Mutter besuchen. Anschließend ließen wir uns vom Schwager mit seinem kleinen Personenbeförderer zum Sanam Luang 2 bringen, einem riesigen Wochenendmarkt. Meine Gattin kaufte sich zwei Kakteen von ihrer Lieblingsart “Condo“. Und ich bekam Durst auf eine große Flasche Bier. Das Eis im Plastikbecher verwässerte es ein wenig. Ich fühlte mich frei und bestätigt. Im Innersten konnte ich nie an einen bösartigen Tumor mit Metastasen glauben. Dieses Gewächs an meinem Auge war nicht aus einer braunen Veränderung einstanden, sondern inmitten von Äderchen. Wenn jetzt noch ein Pathologe bestätigen würde, dass sich aus den Aufnahmen nicht unbedingt die Diagnose eines malignen Melanoms ergeben würde, wäre das Glück perfekt.

Es hat also einige Aufregung und schlaflose Nächte gegeben, aber letztlich habe ich nur profitiert. Das Röntgen hat bestätigt, dass das Herz am rechten Fleck ist, in normaler Größe, und dass die Lunge ohne Auffälligkeiten ist, obwohl ich eine lange Raucherkarriere hinter mir habe und erst vor drei Jahren damit aufhörte. Wichtig war mir der Zustand der Bauchaorta, nachdem mein deutscher Schwager in Chiang Mai im letzten Jahr an einer geplatzten Aorta verstorben war. Aber alle inneren Organe sind ohne negativen Befund bis auf die „fatty“ Veränderung der Leber. Doch ich lebe nun gesünder, bewege mich mehr, will auch wieder den Pool benutzen und esse weniger. Das Ganze war ein Weckruf, ein Start in ein neues Leben.

Eine Stunde brauchten wir bis zum Hauptbahnhof Hualampong. Von dort ging es wieder mit MRT und Airportlink nach hause in unsere ruhige Siedlung. Das bisschen Kopfweh kam nicht vom Bier, sondern von der Fahrt im offenen Bus.

Noch was Anschauliches, das Auge einen Tag nach der Entfernung des Pickels.

Samstag, 18. Juni 2011

Nullpunkt

Stell´ dir vor, du kommst aus dem Urlaub zurück und die Sekretärin des Chefs versucht dir mit aller Milde und Anteilnahme zu erklären, dass dir gekündigt wurde. Es dürfte dir den Boden unter den Füßen wegziehen. Du kannst ihr nicht böse sein, aber du wirst überwältigt von Wut und Ratlosigkeit und schließlich von Resignation. Dennoch wird dein Leben weitergehen. Du musst vielleicht bei Null anfangen.

An einem solchen Nullpunkt bin ich gelandet. Plötzlich hat vieles keine Bedeutung mehr, ist überflüssig und uninteressant geworden. Nicht nur die heruntergeladenen Filme oder die Internetseiten mit geistigem Wissen und Hintergrundinformationen oder einfach kulinarische Verlockungen spielen nun keine Rolle mehr, sondern ebenso Teile des eigenen Egos und sein Kleben an Meinungen und am Leben. Das Abschütteln war so stark, dass die 1.Person verloren ging. Aber für ein angenehmeres Lesen lasse ich sie zurückkehren. In der privaten Kommunikation wäre der dauernde Gebrauch der 3.Person eher krankhaft. Schließlich bin ich noch nicht so weit erleuchtet oder entrückt wie z.B. der Anlass zu meiner 2.Indienreise, Yogi Ramsaratkumar, der von sich durchweg als „dieser Bettler“ oder „dieses Kind Gottes“ sprach.

Der Neustart von (fast) Null wurde bewirkt durch jene Diagnose und das anschließende schockierende Abtasten der Lymphwege an Gesicht und Nacken. Das Ganze war ein Weckruf, vergleichbar mit dem Stockhieb oder dem Schrei des Zenmeisters. Es hat meinem Leben wieder Richtung gegeben. Dennoch war und ist da Schmerz. Es ist nicht mehr die Furcht vor der Krankheit selbst, die mich zeitweise gelähmt und traurig gemacht hat. Nachdem ich mich wieder vorgestern zulange im Netz mit dem Thema beschäftigt hatte und in der Nacht mich nicht gegen die wiederkehrenden Gedanken wehren konnte, geriet ich in einen See von Traurigkeit. Hinzu kam, dass ich in meiner Ungeduld keinen Heilungsfortschritt an meinem wunden Augapfel erkannte. Meine Gattin bemerkte meinen Zustand sofort. Und es brachte sie auf, zumal in den vergangenen zwei Tagen Gelassenheit und Normalität geherrscht hatte und sie sich gerade darauf freute, mich zu einem Mittagessen einzuladen, nachdem sie einen kleinen Betrag in der Lotterie gewonnen hatte.

Aber Zeit heilt alle Wunden. Gegen die quälenden nächtlichen Gedanken habe ich ein „Hausmittel“ gefunden: stoßgebetartige, wiederholte Formeln.
Dennoch beschäftigt mich der morgige Termin. In Gedanken gehe ich das Gespräch mit der Ärztin durch, lege mir englische Worte und Sätze zurecht. Es dürfte die endgültige Diagnose und Belege dafür zu erwarten sein. Das Kind muss einen Namen haben. Das wird aber wohl nichts an unserem Entschluss ändern, keine weiteren Tests wie die Ultraschalluntersuchung der Lymphknoten im Nacken oder gar eine CT und keine weiteren Therapien am Auge mehr zuzulassen, außer spätere Kontrolluntersuchungen desselben. Das Anfordern des pathologischen Befundes nach der Exzision war schon ein Fehler gewesen, ein großer Fehler.

Was mich in Unruhe versetzt ist, dass ich mein Leben bestimmen lassen sollte von einer medizinischen oder pathologischen Ansicht. Das Leben bestimmen göttliche Gesetze, nicht die von Banken und Konsum und Konventionen, von Pharmaindustrie, Politik und eigenen Zwängen. Ich habe keinen Zweifel daran, dass, sollte sich etwas Entartetes im Körper befinden, es sich auch wieder entfernen lässt. Ich bin mir nur über die Einnahmeweise der MMS-Tropfen noch nicht ganz klar, werde aber notfalls nächste Woche damit beginnen. Es geht mir nicht darum, dieses Leben zu verlängern, sondern um die gegebene Zeit, den Neustart zu nützen, auch im Hinblick auf die weltweiten Veränderungen.